11.05.2018

Grenzenloses Spielen in Tokyo

Unser erster Besuch des Tokyo Game Market war wirklich eine Erfahrung, die ihresgleichen in der Brettspielszene sucht. Wer noch nie vom Tokyo Game Market gehört hat, kann sich auf Wikipedia ein grobes Bild machen. Das 2-tägige Event fokussiert sich besonders auf unabhängige Spieleautoren. Wir haben von dort viel mitgenommen, eine Menge gelernt, einiges erlebt und auch viel gespielt. Was kann man mehr wollen? Hier einige Impressionen, Bilder und Geschichten, die wir gerne mit euch teilen möchten. Auch wenn uns natürlich bewusst ist, dass dieser kleine Einblick dem Event kaum gerecht werden wird.

Der TGM findet in einer Messehalle in Waterfront City statt, gelegen im südlicheren Teil von Tokyo. Mein Hotel befand sich in Asakusa, was zentraler gelegen ist. Dank der Hilfe einiger koreanischer Freunde überstand ich die mannigfaltigen Herausforderungen des gigantischen U-Bahn-Systems von Tokyo  und kam in einem Stück an. Kurz nach Ankunft an der U-Bahnstation der Messe bot sich mir dann dieses Bild. Was wäre ein wunderschöner Tag in Tokyo ohne den Anblick einer gigantischen Säge?

Das ist die Messehalle, das Tokyo Big Sight, wo der TGM stattfindet. Der Name ist Programm und so ganz würde es mich nicht wundern, wenn es sich in einen gigantischen Riesenroboter verwandeln könnte. Viele der Gebäude ringsherum wirken auch wie Bauten aus Science-Fiction-Filmen … oder möglicherweise dienten die Impressionen Tokyos sogar als Vorlage für den ein oder anderen Film? Für mich würde das definitiv Sinn machen.

Der Eingang zum TGM. Nach einem kleinen Umweg zu einer anderen Messehalle mit einer Manga-Veranstaltung, haben wir es dann doch geschafft. Man kann sagen, dass es ohne Japanisch-Kenntnisse nicht ganz so ohne ist in Tokyo. Die Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner gleicht das aber voll aus. Hilfe war immer schnell und einfach zu bekommen.

Willkommen zum Wahnsinn und der Großartigkeit des Tokyo Game Market! Unabhängige Spieleautoren und Gamer … und zwar eine Menge von beidem. Dieses Bild zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es sein kann, sich zurechtzufinden, weil man die Stände kaum erkennen kann. Die meisten Autoren haben gerade mal einen Teil eines Tisches, gerade genug um ein Spiel zu zeigen und auch zu verkaufen. Einige haben Spieltische, andere wiederum nicht. Der Messekatalog ist sicher sehr hilfreich um sich zu orientieren, wenn man denn des Kanji-Alphabets mächtig ist – was auf mich jedoch leider nicht zutrifft. Die TGM ist eine gewaltige und berührende Ansammlung purer Spieleleidenschaft. Ich habe mich gefragt, ob Messen wie die SPIEL in Essen auch einmal so waren; gewissermaßen zu ihren unschuldigeren Zeiten (und ich bin immerhin schon 18 Jahre in der Szene dabei), lange bevor die Stände groß und professionell wurden und das Business viel ernster geworden ist. Ich war begeistert, das Event in dieser Form erleben zu dürfen!

 

Hier nur einige der vielen wundervollen Spieleautoren, die ich treffen durfte. Einige sind Autoren, die optisch bereits fortgeschrittenere Spiele zu zeigen hatten, von anderen hatte ich bereits gehört und andere waren einfach interessante Menschen, die ich treffen durfte. Es wäre unmöglich, alle zu zeigen, dabei hätten es sicher viele mehr verdient, gezeigt oder genannt zu werden. Außerdem hatte ich auch nicht immer die Kamera zur Hand. Ich war überwältigt! Dieser Ort war voller Perlen der Spielentwicklung, auch wenn diese nur schwer zu erkennen waren – eben besonders für jemanden, der kein Japanisch spricht.

Kein relevantes Event ohne die Spieleliebhaber von BGG. Sie waren immer fleißig dabei, Spieleautoren zu interviewen und Spiele vorzustellen. Sicherlich haben sie auch noch Etliches angespielt. Ich habe mich sehr gefreut, die Crew dort zu treffen, denn wir hatten so Gelegenheit, uns über die Wunder des TGM zu unterhalten und wie man diese der weltweiten Spiele-Community zugänglich machen kann. Ich denke, dass diese Jungs eine großartige Unterstützung für die Autoren aus Japan, Korea, Taiwan usw. sind, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Leidenschaft für Spiele trifft auf Leidenschaft für Spielentwicklung.

Arclight ist ein großer Distributeur in Japan und veröffentlicht dort viele internationale Spieletitel. Außerdem sind sie Organisator des Events und waren eine große Hilfe für verlorene Europäer wie mich. Japon Brand war ebenfalls ein besonders positiver Anlaufpunkt für den naiven Nicht-Japaner. Japon Brand hilft normalerweise japanischen Spieleautoren dabei, auf internationale Messen zu gelangen und sich dort zu präsentieren. Sie waren es, die den Game Market vor langer Zeit ins Leben gerufen haben. Nochmals vielen Dank an alle von Arclight und Japon Brand, die wir getroffen haben!

Lokale Helden auf der Bühne. Baka Fire ist ein japanischer Autor, der unter anderem das Kultspiel Tragedy Looper veröffentlicht hat. Er bekam auf dem TGM Präsenz an einem großen Stand, gab Interviews und bestritt Diskussionsrunden; zusätzlich gab es zahlreiche weitere Aktionen rund um ihn. Und es war immer prall gefüllt am Stand. Später durfte ich ihn kennenlernen – ein interessanter Mensch.

Kein japanisches Event ohne Manga. Das war mir klar, jedoch war ich überrascht, dass es so wenig zu diesem Thema gab. Das Event konzentrierte sich vielmehr auf das Spiel an sich, die Idee und die Mechaniken, anstatt auf klassisch japanisches Manga-Design. Und auch wenn ich Mangas durchaus interessant finde, finde ich es diesen unerwarteten Fokus sehr angenehm.

Aus irgendeinem Grund wurde ich von diesem Poster angezogen. Nur um herauszufinden, dass sich dahinter der Autor von One Night Werewolf, Akihisa Okui, verbarg. Bei diesem Spiel geht es überraschenderweise um den längsten Haufen, den man legen kann. Großartig! Insgesamt war dieser Stand ein Fundus an erfrischend kuriosen Ideen.

Nach zwei Tagen war mein geistiger Akku leer, aber ich war erfüllt von Inspirationen, Ideen und reich an neuen Freunden und Kontakten. Die Reise war es definitiv wert. Sollte sich mir die Gelegenheit bieten, wieder herzukommen, dann werde ich versuchen, mich besser vorzubereiten. Der TGM findet mehrmals im Jahr statt, also gibt es immer mal wieder eine Gelegenheit. Nun aber war es Zeit, noch ein wenig von Tokyo außerhalb des TGM mitzunehmen, bevor es am nächsten Tag nach Hause gehen würde.

Die Zeit verging wie im Fluge und ich war wirklich echt bereit für Abendessen und eine Pause und dann das … ich kam an ein Oktoberfest. Wir sind ein deutsches Spielentwicklerstudio, aber dennoch möchte ich nur eines fragen an dieser Stelle: WARUM? WARUM?? WARUM???

Dieses Bild schickte mir ein Freund, da meine eigenen Aufnahme nicht halb so gut gelungen ist. Man beachte die wahre Gewalt des Gundam in Originalgröße. All meine Nerd-Gene wirbelten durcheinander. Definitiv handelt es sich hier um eine ganz eigene Art von Sehenswürdigkeit von Tokyo.

Ich habe mich schon oft gefragt, wann Teleportation endlich real und anwendbar sein wird. Umso überraschter war ich, dass man in Tokyo schon so weit ist. Später erfuhr ich jedoch, das es wohl nur eine Station gibt, es also offenbar unklar ist, wo man hinteleportiert wird. Aber immerhin ein Anfang.

Zeit für ein wenig Late-Night-Sightseeing in der Nähe des Hotels! Offenbar setzt sich das Thema des oben genannten Spiels Catain hier fort. Auch wenn ich doch überrascht war, diesen goldenen Haufen auf einem Gebäude zu sehen. Wider Erwarten handelt es sich hierbei um das Logo einer Brauerei. Und wieder beeindrucken mich die Japaner mit ihrem ungewöhnlichen Art, denn etwas Vergleichbares konnte ich in Europa oder den USA bisher noch nicht finden.

Kultur schadet nie und Tokyo ist schließlich reich davon. Hier sieht man die berühmte fünfstöckige Pagode bei Nacht. Rundherum findet man so viele weitere beeindruckende Tempel, dass es schwierig war, sich für ein Motiv zu entscheiden. Asakusa ist definitiv einen Besuch wert. Tagsüber war der Tempelplatz völlig überfüllt, aber am Abend war es beinahe friedlich. Ich habe mir einen der Orakelstäbe gezogen und gleich auch die Deutung. Ich konnte ja nicht ahnen, dass mir da gleich so negative Omen auferlegt würden. Glücklicherweise kann man den Zettel dann an einem Stab festbinden, so dass man nicht so hart vom Schicksal erwischt wird. Habe ich natürlich auch gleich gemacht!

Am Flughafen holte mich dann doch schließlich noch mal die japanische Popkultur ein. Irgendwie hatte ich sowieso viel mehr von Pickachu, Yu-Gi-Oh, Hello Kitty und Konsorten erwartet. Aber wie mir Freunde später erklärten, bieten andere Teile von Tokyo hiervon in der Tat einiges mehr. Wohl auch ein Grund, wieder her zu kommen. Damit endet dieser Bericht auch und ich hoffe, wir konnten euch einige interessante Eindrücke dieser Reise liefern. Wir würden uns freuen, wenn ihr den Beitrag teilen oder liken würdet, falls er euch gefallen hat 😉


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