02.11.2020

Through the Designer’s Notes: Einblick in die Karten: Neue Anführer Teil 1 – Vlaada Chvatil

Jan Žižka

Jan Žižka, ein tschechischer General aus dem Mittelalter, der die hussitische Rebellion in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts anführte, ist eines der größten militärischen Genies der Geschichte. Indem er innovative und brillante Taktiken und sein tiefgreifendes Wissen über mittelalterliche Kriegskunst einsetzte war es ihm wieder und wieder möglich die größte militärische Kraft Europas zu besiegen – schwere gepanzerte Kavallerie. Selbst in Unterzahl. Und mit einem Großteil der Armee bestehend aus Bauern. Das ist richtig – er hat Farmer trainiert, um mehrere gegen ihn ausgesandte Kreuzzüge zu stoppen. Unter seinen vielen Schachzügen befand sich auch die „Wagenburg“ – mehrere Wagen, die auf dem Schlachtfeld eine Art Fort geformt haben. Die Hussiten nutzten außerdem Feuerwaffen in großen Mengen und bewaffneten und trainierten die Bauern um auf die Weise zu kämpfen, die sie kannten. Ritter mögen viel Zeit mit dem Training von Speer und Schwert verbracht haben, aber Bauern haben ihr Leben damit verbracht Farmwerkzeuge zu nutzen. Weshalb sollte man diese dann nicht in Waffen umfunktionieren? Es ist nicht so einfach einen schweren Flegel mit Eisenbeschlägen zu parieren, der von der geübten Hand eines Bauern geführt wird und sich auf dem Weg zu dir befindet. Und deine Plattenrüstung hilft dir hier auch nicht viel weiter. Žižka hatte viele siegreiche Schlachten unter seinem Gürtel – und das alles mit nur einem Auge. Später sogar ganz ohne Augen. Trotz seiner Blindheit führte er seine Truppen für viele Jahre weiterhin von Sieg zu Sieg. Habe ich schon erwähnt, dass er ein wirklich atemberaubender Anführer war? Letztendlich wurde „derjenige den keine menschliche Hand zerstören konnte vom Finger Gottes ausgelöscht“. In der Schlacht unbesiegt starb Jan Žižka 1424 an der Pest.

Žižka Hauptfähigkeit bezieht sich darauf, wie er Bauern in eine militärische Streitmacht umfunktionierte. Bewaffne sie mit Flegeln und Sensen und du hast gute Infanterie. Bewaffne sie mit Feuerwaffen und du hast eine Artillerie aus Zeitalter A. Nebenbei bemerkt gibt es noch immer hussitisches Erbe in der militärischen Terminologie – das Wort Pistole kommt vom tschechischen „píšťala“ (Flöte) und Haubitze kommt vom tschechischen „houfnice“ (anti-Menschenmasse Ding). Ursprünglich hieß es auf der Karte „als Infanterie oder Artillerie der entsprechenden Stufe“. Das bedeutete, dass man eine voll funktionsfähige napoleonische Armee aus einem Ritter und zwei Farmen des Zeitalters I formen konnte. Am Ende entschieden wir, dass uns das zu viel Zufall war – du weißt nie wann und wie schnell du eine passende Taktikkarte aus Zeitalter II ziehst. Deshalb haben wir es auf Zeitalter A limitiert und zu Žižka stattdessen eine zusätzliche militärische Aktion hinzugefügt, was es ihm erlaubt in Zeitalter I noch bedrohlicher zu sein – seine innovativen Taktiken waren die stärksten ihrer Zeit. Du kannst noch immer zwei antiquierte mobile Artillerien für zusätzliche +6 mit nur zwei Rittern aus dem Hut zaubern, aber es ist nicht so wahnsinnig stark wie zuvor. (Falls du mehr darüber wissen willst, wie man mobile Artillerie im 15. Jahrhundert benutzt schlag die „Schlacht von Kuttenberg“ nach) Der kulturelle Gewinn basiert auf dem Fakt, dass die hussitischen Armeen im Mittelalter wohlbekannt und gefürchtet waren. In späteren Schlachten zogen sich die Kreuzzugsarmeen in den Rückzug, sobald sie hussitische Kräfte sahen oder ihre Gesänge hörten. (Siehe auch Schlacht von Domazlice oder Tachov.) Da ich ein kleines bisschen patriotisch bin wusste ich schon immer, dass ich Žižka im Spiel haben will und ich bin glücklich, dass er jetzt eine gute Wahl im Zeitalter I ist und ein interessantes Spielelement hinzufügt. Über eine dritte Zeitalter A Farm nachzudenken ist jetzt keine so schlechte Idee.

Johannes Gutenberg

Johannes Gutenberg, ein deutscher Goldschmied, wird bis heute als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Menschheit angesehen. Seine Erfindung der Druckerpresse ließ eine Revolution der Information und Bildung in Europa aufblühen und beschreibt das wichtigste Ereignis in der modernen Geschichte. Druckerpressen ermöglichten es Bücher schnell, akkurat und in großer Menge zu drucken. Vorher mussten alle Bücher von Hand geschrieben werden und wie du dir sicher vorstellen kannst war dieser Prozess langwierig und sehr teuer. Einige Bücher benötigten mehr als ein Jahr um fertig zu werden! Mit dieser neuen Erfindung konnten hunderte Seiten in nur wenigen Stunden gedruckt werden, was die Kosten für Bücher signifikant verringerte und Bildung sowie die Fähigkeit zu lesen in der Bevölkerung rasant erhöhte. Gutenberg konnte jedoch nie von seiner revolutionären Idee profitieren. Er konnte die Darlehen zum Aufbau seines Betriebs nie zurückzahlen und starb in Armut.

Gutenberg gibt dir nicht direkt Wissenschaft, aber er hilft dir wissenschaftliche Infrastruktur aufzubauen. Deine Labore und Bibliotheken produzieren nicht mehr Wissenschaft, es ist nur signifikant einfacher diese zu bauen und zu verbessern. Ehrlich gesagt müsste der Effekt viel stärker sein, um den wahren Einfluss der Druckerpresse auf Bildung und Wissen darzustellen. Wir müssen aber die Balance des Spiels sicherstellen, deshalb haben wir stattdessen einen Spieleffekt zu Gutenberg hinzugefügt – für die optimale Nutzung seiner Effekte solltest du wissenschaftliche Technologien in einem gleichmäßigen Tempo nehmen, entwickeln, bauen und verbessern, Schritt für Schritt, Runde für Runde. Du wirst dafür außerdem mit Berühmtheit (Kultur) belohnt – Gutenberg hatte davon während seiner Lebenszeit nicht viel, aber sein großer Einfluss wurde später von der Geschichte anerkannt.

Alfred Nobel

Alfred Nobel war ein technisches Genie des 19. Jahrhunderts. Als geschickter Chemiker im Alter von 16 Jahren verschwor Nobel sein gesamtes Leben der Erforschung und Perfektion seiner geliebten Sprengstoffe. Zur Zeit seines Todes hielt er 355 Patente.  Als sein Bruder Ludwig starb verwechselten Journalisten ihn mit Nobel und veröffentlichten seine Todesanzeige. Nachdem er diese las, dachte er über sein Vermächtnis voll von Zerstörung nach und änderte seinen letzten Willen. Er entschied mit seinem Vermögen einen Preis ins Leben zu rufen, der Menschen würdigt, die zur Entwicklung von Wissenschaft, Medizin, Literatur und Frieden beitragen – den Nobel-Preis. Fun-Fact: Nobel war nicht nur ein brillanter Wissenschaftler, Ingenieur und Geschäftsmann, sondern sprach auch 5 Sprachen fließend und schrieb Gedichte.

Ich fügte Alfred Nobel mit dem Nobel-Preis-Effekt im Hinterkopf hinzu – einem Effekt der jeden betrifft, nicht nur den Spieler der Nobel ausspielt. Wir brauchten aber auch etwas, dass die Spieler dazu bringt sich ihn zu nehmen. Ursprünglich war sein Effekt (neben Stärke, man kann die militärischen Aspekte von Sprengstoffen nicht ignorieren) ein Rabatt für das Bauen und Verbessern von Minen – wie du sicherlich weißt hilft Dynamit dabei sehr. Das Problem war, dass das allerdings Kartentext benötigt, den wir bereits für die Beschreibung des Nobel-Preis-Effekts brauchten. Als James Watt der Zeitalter II Auswahl beitrat war es entschieden. Er übernahm die Rabatte für Minen-Technologien und Nobel bekam die einfachen Boni für Wissenschaft und Militär, die keinen Text benötigen. Es war allerdings nicht so einfach diesen Kerl auszubalancieren. Während des Playtesting war er nicht übermächtig, aber es fühlte sich so an. Er war sehr beliebt, da er keine Vorbereitung benötigte und für jeden etwas bringt, indem er zwei existenziellen Feldern unterstützt. Daraus resultierte, dass er sehr oft genommen wurde und zu viele Spiele den Nobel-Preis hatten. Die zwei letzten Änderungen waren folgende: Du bekommst deine zivile Aktion nicht zurück, wenn du Nobel austauschst. Das mag wie ein kleines Detail aussehen, aber es kommt nicht selten vor, dass du genau diese eine Aktion vermissen wirst, gerade wenn du deinen ersten Nobel-Preis in der Runde erhalten willst, in der du Nobel austauschst. Außerdem: Nobels Effekt wird nur aktiv, wenn du ihn austauschst. Wenn er durch ein Attentat, Ikonoklasmus oder am Ende von Zeitalter III stirbt, dann passiert nichts. Das gibt sowohl dem Spieler mit Nobel, als auch den anderen Spielern Einfluss darauf und führt außerdem dazu, dass Nobel nicht mehr ganz so häufig gewählt wird. Thematisch musst du dir vorstellen, dass „Nobel Zeit hat über sein Vermächtnis nachzudenken, oder eben nicht“.

Antoni Gaudi

Antoni Gaudi war ein Genie der Architektur, welches das Angesicht Barcelonas und der Architektur selbst für immer veränderte. Obwohl er zu seiner Zeit nicht bekannt war und nicht geschätzt wurde machten ihn seine unkonventionellen Kreationen zu einem der berühmtesten Architekten aller Zeiten. Als Kind war Gaudi sehr gut in Geometrie und er liebte die Natur. Das inspirierte seinen speziellen Stil organischer Architektur – viele seiner Gebäude spiegeln Gebirge wider und einige Stockwerke seiner Strukturen stellen Grüppchen von Seerosen dar. Seine berühmteste Kreation ist La Sagrada Familia – ein atemberaubender Tempel anders als alles was die Welt zuvor gesehen hat. Das Projekt war so gigantisch, dass Gaudi auf der Konstruktionsfläche lebte und ihm schon zu einem frühen Stadium der Konstruktion bewusst war, dass er es nicht würde beenden können. Das bereitete Gaudi allerdings keine Sorgen. Er wusste, dass andere das Projekt nach seinem Tode aufnehmen würden. La Sagrada Familia ist bis zum heutigen Tage nicht abgeschlossen, es soll aber im Jahr 2026 beendet werden – zu Gaudis 100. Todestag.

Gaudi wurde dem Spiel hinzugefügt, um die städtischen Gebäude zu stärken und ihre Vielfalt zu erhöhen.

Er bringt dich dazu, neue Arten von Gebäuden zu bauen und falls du das tust belohnt er dich dafür mit einem ordentlichen Schub Kultur. Du kannst seinen Bonus auch nutzen, um bestehende Gebäude zu verbessern, dann wird Gaudis wahre Stärke aber nicht so groß aufleuchten. Während des Playtesting hat sich diese Karte stark verändert – es gab viele Versionen des Effekts der Karte, einige zu stark, andere zu schwach oder zu situativ. Mein Favorit war eine sehr schöne, thematische Variante bei der du (neben anderen Boni) Punkte dafür erhieltest wie weit fortgeschritten dein nicht abgeschlossenes Wunder ist, sobald Gaudi das Spiel verlässt. Diese Version war allerdings zu subtil und der Text war zu lang und zu kompliziert. Selbst jetzt müssen die Spieler den Text häufig noch zweimal lesen, um genau zu verstehen wie der Rabatt funktioniert, aber es ist endlich eine Version die gut ausbalanciert ist und ihren Zweck erfüllt.

Ian Fleming

Bond, James Bond. Charmant, charismatisch, abenteuerlustig und außerdem eine faszinierende Reflexion seines Schöpfers – des Schriftstellers Ian Fleming. Fleming begann seine berufliche Karriere als einfacher Journalist in der Nachrichtenagentur Reuters. Nachdem er sein Praktikum beendet hatte wurde er nach Russland versetzt. Dort berichtete er über eine Gerichtsverhandlung, bei der britische Ingenieure der Spionage beschuldigt wurden. Als er nach England zurückkehrte wurde er vom Außenministerium gebeten über die Situation in Russland zu berichten. Diese scheinbar unwichtige Aufgabe machte ihn im Außenministerium bekannt und er wurde zu Beginn des 2. Weltkriegs rekrutiert, um der British Naval Intelligance beizutreten. Als der Krieg endete beschloss er nach Jamaica zu ziehen und begann dort seine Romane zu schreiben. Sein erstes Buch, Casino Royale, erschien im Jahr 1953. Anschließend verbrachte er die ersten 2 Monate eines jeden Jahres damit zu schreiben. Insgesamt veröffentlichte er 14 James Bond Romane, inspiriert von seinen Reisen, Missionen und seinem Leben als Spion, deren Kopien weltweit über 60 Millionen Mal verkauft wurden.

Ich hatte immer das Gefühl, dass ein Schriftsteller der Moderne Teil des Spiels sein sollte, weshalb es eine der ersten Entscheidungen für die Erweiterung war diesen dort hinzuzufügen. Viele Schriftsteller wurden für diesen Platz erwogen und manche sogar getestet. Sollten wir einige der Ikonischsten und Meistgeachteten einfügen? Ernest Hemingway? Franz Kafka? John Steinbeck? George Orwell? J.R.R. Tolkien? Oder einige der berühmtesten weiblichen Schriftsteller? Virginia Woolf? Agatha Christie? J.K. Rowling? Es war nur die Frage wen wir aussuchen würden, da der Effekt bei allen derselbe gewesen wäre – eine Verstärkung der Bibliotheken. Aber so einfach war es dann nicht. Fortgeschrittene Bibliotheken sind selbst ohne Verstärkung stark genug, also brauchten wir einen Anführer der auch einen anderen Effekt besitzt. Möglicherweise einen, der mit Militär kombiniert wird, da es keinen Anführer ausschließlich für Militär in Zeitalter III gibt. Als ich nach so einer Person suchte sah ich mir auch einige unbekanntere Namen an. Für eine Zeit lang wurde dieser Platz von Marguerite Higgins beansprucht, einer Kriegsreporterin und der ersten Frau, die den Pulitzer Preis für Außenberichterstattung erhielt. Es war ein interessantes Konzept, da sie Kultur für Kriege produzierte, unabhängig davon wer diese begonnen hatte. Letztendlich denke ich, dass Ian Fleming eine gute Lösung für dieses Dilemma ist. Obwohl sein Name nicht so bekannt sein mag, so kennen dennoch mehrere Generationen seine Werke. Die Kombination aus Spion und Schriftsteller machte interessante Effekte möglich und der Fakt, dass er auch die Kinowelt beeinflusste erlaubte es uns auch Theater in seinen Effekt einzubauen. Der Spion-Effekt fügt interessante Informationen zum Spiel hinzu. Du kannst überprüfen, ob ein schwächerer Spieler Verteidigungskarten besitzt, du kannst aber auch prüfen ob ein stärkerer Spieler Kriege besitzt, die er ausspielen kann. Und zuletzt können Informationen über Karten aus Zeitalter III auch allgemein sehr nützlich sein. Wir mussten nur besonders für das 2-Spieler-Spiel darauf achten den Effekt auf den Spieler, dessen Karten angesehen werden dürfen, zu limitieren – Spionage sollte niemals vollumfängliche Informationen preisgeben.

 


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